Die Wurzel des Übels ist ebenso schnell gefunden, wie mancher Mann zum Jammerlappen greift. Generalverdächtig ist die starke Frau. Die macht ihm Angst, wenn sie zu forsch ist im Bett oder selbst Geld verdient. Die setzt ihn unter Druck, weil er zu Hause nicht nur kunstvoll kochen, sondern öfter auch mal spülen soll. Die kriegt die Kinder und die Alimente, schielt trotzdem noch auf seinen Chefsessel und wird nebenbei Fußballweltmeister, während er noch panisch überlegt, ob er das Prinzip der Abseitsfalle richtig verstanden hat.
Flankiert wird sein Leiden von der Klage mancher Männerforscher und Feuilletonisten, die Emanzipation habe den Dialog zwischen den Geschlechtern zerstört und die glückliche Familie als Grundfeste unserer Gesellschaft gleich mit. Als würde es die Welt oder auch nur ihre kleinste familäre Einheit einen Trippelschritt weiterbringen, wenn der Mann versucht, noch lauter zu lamentieren als das weibliche Gegenüber. Dabei konnten die Jungs es doch immer am wenigsten leiden, wenn irgendwo jemand heulte.
Kommentar zur Identitätskrise des neuen Mannes.
In: Welt am Sonntag, 12/2008