Privat gegen Staat  
Wir Werkschau Kontakte  
 
 
Nach Chlor stank das Rostocker Trinkwasser früher. Aus der Warnow kam es, die Kläranlage für das örtliche Abwasser war mies, darum mussten die Keime chemisch abgetötet werden. Dann schloss die Stadt einen Vertrag mit Eurawasser, Tochter des weltweit aktiven Suez-Konzerns. Der investierte Unsummen, das Wasser schmeckt gut, seit sechs Jahren sind die Preise nicht gestiegen. Das ist die eine, die glänzende Seite der Privatisierung öffentlicher Unternehmen.

Auf der anderen Seite scheint ausgerechnet bei den Christdemokraten der Sozialismus ausgebrochen zu sein. "Notfalls zerschlagen" müsse man heute die einst in den freien Markt enlassenen Stromkonzerne, tönt Hessens Wirtschaftsminister Alois Rhiel. Schlicht "ein Fehler" sei die vollständige Privatisierung der Hamburgischen Elektrizitätswerke gewesen, bekennt Hamburgs Finanzsenator Michael Freytag.

Zeit für eine Zwischenbilanz. Oft werden Privatisierungen aus ideologischen, wahlweise aus ordnungspolitischen Gründen bejubelt oder verdammt. Wie aber sind die realen Erfahrungen mit den einzelnen Projekten. Was funktioniert, was nicht - und vor allem: warum?

"Die große Ernüchterung": Report über Privatisierungen öffentlicher Unternehmen. In Capital 02/08

 
       
Privat gegen Staat
Russengarten
Baby-Blues statt Glück
Leibesübungen
vor
 
 
 
 
     
Russengarten  
Wir Werkschau Kontakte  
 
 
Wer an einem Samstagnachmittag im Sommer in Berlin-Köpenick in Olga Baiers Hände gerät, sollte Zeit haben und auf Völlerei eingestellt sein - egal, ob er gerade einen üppigen Rinderbraten zum Essen hatte. Wer den Wuhlegarten und damit Olgas 40-Quadratmeter-Gartenreich entert, der kommt an ihrem Tisch nicht vorbei. Nicht an den Bergen von Blinis, nicht an den Mengen von Fleischröllchen, und schon gar nicht - aber so was von gar nicht - an der Flasche Amaretto, die nach braver Esseneinnahme über den leeren Gläsern der Gäste kreist. Zweimal, dreimal, viermal. Nochmal. Wer bis hierhin noch dachte, dass Russen und Ukrainer ausschließlich dem Wodka zusprechen und die vielbeschworene  Gastfreundschaft dieses Menschenschlags vielleicht nicht mehr sei als ein überschätztes Klischee, den hat Familie Baier längst mit ihrer Liebenswürdigkeit überschwemmt. Schwips inklusive.

Die Baiers sind Deutsche, Spätaussiedler vom Asowschen Meer. Mutter Olga, 60, Vater Mark, 72, und eine ganze Sippschaft aus Schwestern und Brüdern, Töchtern und Söhnen. In der Ukraine, der alten Heimat, waren sie jahrelang die Deutschen, in Berlin sind sie wieder die Ukrainer. Oder einfach: Die Russen.

Reportage über interkulturelle Gärten in Berlin. In: Menschen, das Magazin, 2007

 
       
Privat gegen Staat
Russengarten
Baby-Blues statt Glück
Leibesübungen
zurück
 
 
 
 
     
Baby-Blues statt Glück  
Wir Werkschau Kontakte  
 
 
Schon lange, bevor Johann entstand, sorgten sich seine Eltern um sein Leben. Liebten ihn, erwarteten ihn, kreisten um sein Glück: Johann ist ein IVF-Kind, er wurde im Labor gemacht - das Spermiogramm seines Vaters erforderte das. Ein paar Monate nach seiner Geburt dann eine Kapriole des Schicksals: Marianne, damals 35, wird erneut schwanger, diesmal ohne Arzt und Ampullen. Juri kommt zur Welt, ein Jahr nach Johann. Die Menningers sind nun zu fünft und wirken wie eine dieser hübschen, bunten Quirlig-Familien, von denen jeder eine kennt und die immer den Eindruck erwecken, als wären sie das, was wir alle anstreben zu sein: perfekt. Ein attraktives, agiles Paar mit zwei süßen Rackern, dazu noch Johnny, Mariannes 19jähriger, der aus einer früheren Beziehung stammt, Mädchenliebling ist und gut in der Schule. Und auch sonst - alles da: eine schöne Wohnung in Berlin, spendable Großeltern, Ferien an der Ostsee. Der Dreh- und Angelpunkt im Alltagsleben: das Wohl der Kinder. Kein Gluckengehabe, keine Verhätschelung - aber Zuneigung soviel es geht.

Reportage über das Tabuthema Babyblues in Emotion, Oktober 2006

 

 
       
Privat gegen Staat
Russengarten
Baby-Blues statt Glück
Leibesübungen
vor
 
 
 
 
       
Leibesübungen  
Wir Werkschau Kontakte  
 
 
Die beiden Männer im Lendenschurz, Odysseus der eine, Ajax der andere, treten in den Kampfkreis. Ihr Ringen beschreibt Homer in der wohl ersten Sportreportage der Menschheit: "Beiden knirschte der Rücken, von stark umschlungenen Armen / angestrengt und gezuckt; und es strömte Schweiß von den Gliedern." Ajax hebt seinen Gegner an, "doch der List vergaß nicht Odysseus, / schlug ihm von hinten die Beugung des Knies, und löst`ihm die Glieder: / Rücklings warf er ihn hin, und es sank von oben Odysseus ihm auf die Brust." Dieser Freistilringkampf ist Teil der Wettspiele, die Homer im 23. Gesang der "Ilias" schildert. Sie fanden als eine Art Wehrübung in einer Kampfpause vor den Toren Trojas statt; zum Auftakt erwürgten die Athleten zwölf Kriegsgefangene. Was in der Antike niemand anstößig fand: Im "gymnasion" ertüchtigten die Griechen ihren Leib für die nächste Schlacht. Und nicht selten endeten ein Ringkampf oder ein Streitwagenrennen mit dem Tod eines Athleten.

Sport, wie wir ihn heute kennen, nach dem Fairness-Prinzip und in der Regel unblutig, ist eine recht junge Errungenschaft. Ihre Anfänge liegen im 18. Jahrhundert und brauchten dann noch viele Jahrzehnte, um sich durchzusetzen. Bis dahin ist die Geschichte der Leibesübungen vor allem eine Geschichte der Gewalt. Sie handelt von der Beherrschung des Körpers, um die eigenen Kräfte zu kontrollieren und den Feind im Krieg zu bezwingen.

Über die Kulturgeschichte der Leibesübungen. In: GEO Wissen, April 2007

 
       
Privat gegen Staat
Russengarten
Baby-Blues statt Glück
Leibesübungen
zurück